Aufstellung für den Wandel: Eingebunden in das Netz des Lebens oder: Wir gehören mit dazu

jb/kjd Jedes Jahr machen wir Aufstellungen zu unserem Kernthema, der Verbindung zur Natur. Dieses Mal wollten wir in einem ersten Schritt bei der Aufstellung im Oktober die hochaktuelle Diskussion über Klimaveränderung verbinden mit unserer Arbeit zu Körperwahrnehmung, Sinnlichkeit und Naturverbundenheit.

Warum sind gerade diese Aspekte in unserer Arbeit zentral? Der Zugang zur Welt über die Sinne, das körperliche Erspüren, ist für uns etwas sehr Wertvolles und Lebendiges. Vielleicht ist es auch etwas sehr Weibliches (eine Qualität, die jeder Menschen in sich trägt). In unserer Ausbildung und Arbeit haben wir jedoch immer wieder erlebt, dass dieser Zugang abgewertet wird oder für viele Menschen nicht zugänglich ist. Wir sind überzeugt, dass das gefühlte Verbundensein mit der Natur ein Schlüssel für Verhaltensänderungen ist und möchten darum an diesem Thema weiterforschen.

Ausgangslage – das war die Ausschreibung

Was hat Körperlichkeit und Sinneswahrnehmung mit der Klimakrise zu tun? Was hat Körperlichkeit und Sinneswahrnehmung mit Naturverbindung zu tun?
Wenn wir davon ausgehen, dass wir Teil der Natur sind, was verändert das an unserer Wahrnehmung der Klimakrise? Was ist der Unterschied, ob wir das kognitiv wissen oder mit Haut und Haar spüren? Wie kann diese Erfahrung wieder Teil unserer kollektiven Geschichte und unserer gelebten Kultur werden? Diese Fragen möchten wir mithilfe der Aufstellungsarbeit erforschen.

Das „Netz des Lebens“ ist ein Ausdruck aus der Tiefenökologie, der verdeutlicht, dass wir Menschen und alle Lebewesen Teil ökologischer Gemeinschaften sind, die in wechselseitiger Abhängigkeit auf diesem Planeten zusammenleben. Wir gehören mit dazu. Die Klimakrise und Dynamik, ausgelöst durch die Klimastreikbewegung sind ein aktueller Ausgangspunkt, unser bewusstes Körperempfinden um diese Zusammenhänge zu erweitern.

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Aufstellung für den Wandel: Neues Miteinander von Frau*Mann

jb. Die zweite Aufstellung im 2019 zum Thema Gender stand unter dem Motto „auf zum nächsten Level“ im Miteinander von Frau*Mann. Wir verstehen dabei das Thema als Zusammenspiel weiblicher und männlicher Energien, die nicht unbedingt auf die klassischen Rollen verteilt sein müssen.

Bei der ersten Frau*Mann-Aufstellung im März 2019 war das Wertvolle an gemeinsamen Erlebnissen und die Bedeutung von Rücksicht, die in der Aufstellung vor allem auf der weiblichen Seite „Verleugnung der eigenen Bedürfnisse“ bedeutete, sehr zentral. Nachdem die Rücksicht auf ihren guten Platz verwiesen wurde, konnten sich das Weibliche und das Männliche verbinden, in der Mitte vor sich die verbindenden Erlebnissen als gemeinsames Drittes – ein kraftvolles Schlussbild. Die zweite Aufstellung im Mai 2019 brachte ganz andere Zusammenhänge zum Vorschein.

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Wir sind der Wandel – raus aus der Wohlfühloase und rein ins Abenteuer

jb Warum schreibe ich diesen Artikel? Schon viele Jahre habe ich mich mit den Themen des gesellschaftlichen Wandels befasst. Wir sind der Wandel – was bedeutet das angewendet auf das eigene Leben? Wie bringe ich den Wandel, der bei mir selbst beginnt, kraftvoll in die Welt? Ich habe viel darüber nachgedacht, ich habe selber viel ausprobiert. Und jetzt möchte ich auf diesem Weg meine Erfahrungen teilen.

Ich hatte mal ein Herzensprojekt. Es hiess SoulCamp. Und NewEarthCamp. Es waren Begegnungsräume für Grossgruppen im Open Space-Format, angelehnt an die BarCamp-Bewegung im Sinne von Unkonferenzen. Begegnungsräume zu schaffen, das hat mich schon immer interessiert. Da ich mich viel mit Spiritualität befasst hatte, wollte ich diese BarCamps als Orte für Herzensbegegnungen gestalten.

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Verbindende Erlebnisse und warum ich nicht gerne spaziere

kjd Vielleicht erstaunlich aber wahr: Bei unseren Aufstellungen für den Wandel sammeln wir Erkenntnisse und Lösungsansätze, welche direkt im Alltag anwendbar sind. Im ersten Teil von „Frau*Mann: Wie geht konstruktives Miteinander jenseits von Stereotypen?“ haben wir erfahren, welche grosse Bedeutung die verbindenden Erlebnisse im co-kreativen Zusammenspiel von weiblicher und männlicher Energie haben. Was kann das konkret bedeuten?

Die Zeit, welche wir mit anderen Menschen verbringen, bewusst zu gestalten und zu geniessen, ist sicher ein guter Anfang. Als junge Familie hatten wir gerade die perfekte Gelegenheit genau das zu üben.

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Transformation von verwunschenen Orten

Jan Maisenbacher. Schloss Grafeneck liegt in der Nähe von Nürtingen (Deutschland), wo ich meine 25 ersten Lebensjahre verbracht habe. Ein Ort, an dem das Naziregime 1940 sein Euthanasie-Programm begonnen hat, und 10’654 Menschen mit Behinderungen in der Gaskammer der ersten Stunde in den Tod geschickt wurden.

Heute gehört dieses Grundstück mit seiner dunklen Geschichte (wieder) der Samariterstiftung und beheimatet in umliegenden Wohngebäuden Menschen mit mentalen und physischen Behinderungen. Das Schloss selber steht seit Sommer 2016 leer und braucht Multimillionen-Sanierungsinvestitionen. Und eine neue Bestimmung – welche als Stiftung nicht ganz einfach zu finden ist für dieses belastete Gebäude, von dem aus rund 100 Menschen einen Massenmord organisiert haben.

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Unmittelbarer Ausdruck vs respektloses Ausspucken

kjd «conscious shit!» diesen Begriff habe ich neu gelernt am Cypher19 – einer Sendung von SRF Virus, in welcher während fast sieben Stunden etwa 80 Schweizer Rapper plus eine Handvoll Schweizer Rapperinnen das Mikrofon herumreichten. Bei diesem Live-Event ging es darum, kurze unveröffentlichte Texte zum Besten zu geben. Es dominierten respektloses Ausspucken ‚Spitten‘ von Fluchwörtern und Beleidigungen, Frauenfeindlichkeit und Grössenvergleiche aus der Steinzeit. Ein eher unerwarteter Ort für bloggenswerte Erkenntnisse. Wird dieser Text also eine Anti-HipHop-Moralpredigt? Weit gefehlt!

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Aufstellungen für den Wandel: Wie alles begann

jb Ich kann mich noch gut an meine erste Rolle in einer systemischen Aufstellung erinnern: 2001 habe ich mich bei einem Workshop angemeldet, um meine Herkunftsfamilie aufzustellen, damals noch sehr klassisch. Bei meinem ersten Einsatz wurde ich von einer teilnehmenden Person als Stellvertreterin für einen Alkoholiker gewählt. Kaum hatte ich den entsprechenden Platz eingenommen, wurde mir so sehr schwindlig, dass ich kaum noch stehen konnte. Es hat mich fasziniert, wie das möglich war, wie diese Beziehungen in einem System, einfach so von fremden Personen wahrgenommen und erfahren werden konnten.

Seither hat mich die Aufstellungsarbeit nicht mehr losgelassen.

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