Aufstellungen für den Wandel: Nicht zwei ist Frieden

kjd Die systemische Aufstellung ist eine Methode, bei der Menschen als Stellvertretende für Elemente eines Systems im Raum aufgestellt werden. Sie können über den Platz im Raum in ihrer Rolle viele Gefühle wahrnehmen. Durch das bewusste Einlassen auf die Körperintelligenz können so interessante Erkenntnisse über die aufgestellten  Elemente und ihre Beziehungen zueinander gewonnen werden.

Mit momo&ronja stellen wir die systemische Aufstellungsarbeit in den Dienst des Wandels hin zu mehr Lebensdienlichkeit. Mit dieser Pionierarbeit leisten wir einen Beitrag, um auf kollektiver Ebene leichter von einem Problem- in ein Lösungsmuster zu gelangen. Wir möchten so fruchtbaren Boden schaffen, in dem das eigene Engagement wachsen und gedeihen kann.

In der Serie „Aufstellungen für den Wandel“ haben wir als Pilotworkshops bereits verschiedene kollektiv relevante Fragestellungen bearbeitet. In der Vorbereitung der Aufstellung zum Thema Frieden haben wir gemerkt, dass dieser Begriff nur schwer fassbar ist. Weil wir während der Arbeit nicht in der Theorie hängen bleiben wollten, haben wir versucht herauszufinden, in welchen Bereichen im alltäglichen Leben bei uns Unfrieden herrscht. Wir versprachen uns davon, dort die Problemmuster zu finden, welche wir beleuchten können.

In der systemischen Aufstellung ist es wichtig, das Arbeitsfeld gut abzustecken, um sich nicht in den Untiefen eines Themas zu verlieren. Statt also den Unfrieden zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen anzuschauen, haben wir uns stattdessen entschieden, das Spannungsfeld zwischen zwei bestimmten Qualitäten anzuschauen: der männlichen Tatkraft und der weiblichen Hingabe.

Auch bei momo&ronja begegnet uns immer wieder die Frage, wann wir etwas aktiv anpacken und wann wir etwas einfach geschehen lassen. In einer anschliessenden Aufstellung wollten wir dann den Unfrieden von Mensch und Natur genauer betrachten.

Bereits die Aufstellung des ersten Unfriedens (Hingabe : Tatkraft) war eine Herausforderung. Das System war enorm labil und wir blieben als Gruppe sehr lange im Problemmuster stecken. Wir mussten sogar einen zusätzlichen Termin vereinbaren, um den Prozess weiter zu verfolgen. Erfreulicherweise kamen alle Teilnehmenden des Pilotworkshops ein zweites Mal und wir konnten sogar noch zusätzliche Menschen für die Mitarbeit gewinnen.

In dieser zweiten Runde haben wir uns die Intention gesetzt zu schauen, ob die Hingabe und die Tatkraft – welche wir beide als Elemente in den Raum aufgestellt haben – in Verbindung treten können. Als zusätzliches Element haben wir die Raummitte als Grosses Ganzes in den Prozess aufgenommen und somit auch den zweiten ursprünglichen Unfrieden von Mensch und Natur integriert.

Wir konnten aus dieser Aufstellung sehr viele Erkenntnisse gewinnen. Einige Blitzlichter: Die Tatkraft und die Hingabe konnten tatsächlich in Verbindung treten, aber der Weg dorthin war lange und anstrengend für alle Beteiligten. Es brauchte sehr viel Zeit und sehr viel Achtsamkeit, um eine Annäherung zu ermöglichen. Ein Wendepunkt der Aufstellung war der Moment, an dem kein Lösungsansatz mehr ersichtlich war und die Gruppe kollektiv aber auch viele der Stellvertretenden individuell aufgaben. Dieses Loslassen konnte den Prozess wieder in Gang bringen. Die Bedeutung der Mitte wurde vielen Elementen erst nach geraumer Zeit bewusst. Das Anerkennen der Mitte als Grosses Ganzes, das wir auch Natur oder Liebe nennen können, war eine weitere wichtige Voraussetzung für die Annäherung von Tatkraft und Hingabe.

In der Nachbearbeitung der Aufstellung haben wir Erkenntnisse der Teilnehmenden eingesammelt, zusammengestellt und wiederum man alle verschickt. Sich über die unterschiedlichen Sichtweisen der Elemente auszutauschen, ist sehr bereichernd und erweiternd. Wir füttern gerne unser Verstand mit spannenden Erkenntnissen.

Die wirkliche Arbeit jedoch wird bei Aufstellungen im Moment der Durchführung vollbracht. Die emotionalen und physischen Erfahrungen werden nämlich direkt im Körper abgespeichert. Wir müssen nicht Angst haben, etwas davon zu vergessen.

Erleben wir den Prozess vom Problem- zum Lösungsmuster in der Aufstellung, fällt es uns im Alltag in einer entsprechenden Situation leichter, darauf zurück zu greifen. Unsere Überzeugung geht sogar noch einen Schritt weiter: Vieles deutet darauf hin, dass wenn wir als kleine stellvertretende Gruppe von Menschen diesen Prozess durchlaufen, auch andere von dieser Erfahrung profitieren können.

Wir freuen uns schon sehr auf die nächste Aufstellung für den Wandel zum Thema „Fruchtbares Zusammenwirken über Generationen hinweg“ und hoffen, dass wir noch vielen Menschen den Zugang zu dieser so kraft- und wirkungsvollen Methode erleichtern können.


RundKim Jana Degen hat 2017 gemeinsam mit Jeannine Brutschin die Organisation momo&ronja gegründet. „Als soziale Unternehmerinnen engagieren wir uns für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Zudem können wir mit momo&ronja unsere Erfahrung einer tiefen Verbundenheit mit der Natur in ganz konkreten Angeboten und Projekten zum Ausdruck bringen.“

Ein Gedanke zu “Aufstellungen für den Wandel: Nicht zwei ist Frieden

  1. Liebe Jeannine und Kim.
    Ich war an den ersten Aufstellungen dabei und konnte an der „Friedensaufstellung“ leider nicht dabei sein. Es freut mich sehr (und erstaunt mich wenig), dass ihr in der Arbeit auf so wesentliche Aspekte gestossen seid. Bei mir kommt da an, auch wenn es paradox erscheinen mag: „EIN Lösungsansatz ist für Frieden wenig hilfreich. Es braucht mehr Loslassen als Wollen. Das Grosse Ganze, was über unseren Kräften steht, ist anzuerkennen.“ Loslassen bedeutet da aber nicht Gleichgültigkeit. In diesem Sinne wünsche ich der Welt Frieden. Oder ist diese Erkenntnis vielleicht schon Frieden?

    Danke euch! Seid herzlich gegrüsst!

    Florentin

    Gefällt 1 Person

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