Aufstellungen für den Wandel: Das weibliche Feld stärken

jb «Wenn wir dem Leben dienen wollen – und damit unserem Planeten und der ganzen Schöpfung –, bedarf es der Rückkehr des Weiblichen. Wir haben lange in einer Welt gelebt, die von der Rolle des männlichen Bewusstseins beherrscht wurde – schneidend, linear, auf Erwerb gegründet» (L. Vaughan-Lee). Was wir für die Wandlung der Welt hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft brauchen, sind starke feminine Qualitäten. Im April 2018 erforschten wir mithilfe der Aufstellungsarbeit, wie wir diesen mehr Raum geben könnten.

Wie können wir das weibliche Feld stärken? Wie kann sich diese nährende Kraft ausdehnen, auch in bisher männlich dominierte Bereiche hinein? Wie können wir Brücken bauen? Und wie kann jede und jeder von uns in dieser Verbindung an einem Platz sein, welcher genug Sicherheit, Raum und Schutz bietet? Diese Fragen dienten als Ausgangslage für die Aufstellung.

Methodisches Vorgehen und Prozess

Als Pionierin stellt momo&ronja die systemische Aufstellungsarbeit in den Dienst des Wandels hin zu mehr Lebensdienlichkeit. Damit leisten wir einen Beitrag, um auf kollektiver Ebene leichter von einem Problem- in ein Lösungsmuster zu gelangen. In einer Gruppe von Interessierten arbeiten wir an gesellschaftlich relevanten Themen und reflektieren die Erfahrungen gemeinsam. Die Teilnehmenden profitieren vom inspirierenden Austausch und einer Fülle an Erkenntnissen.

In einer Pilotphase im 2017 hat momo&ronja experimentiert und einen Prozess entwickelt, mit dem Themen des gesellschaftlichen Wandels über die Methode der Aufstellung angegangen werden können. Um mit der Gruppe in das kollektive Thema einzutauchen, hat es sich für uns bewährt, in einer Vorübung oder „Voraufstellung“ erste Informationen zu sammeln. In der Aufstellung zur Stärkung des weiblichen Feldes haben wir folgendes Vorgehen gewählt:

In der Vorübung haben wir die vier Jahreszeiten als zyklischen Kreislauf verdeckt am Boden markiert. Es war nicht ersichtlich, welche Jahreszeit sich wo im Raum befand. Die Teilnehmenden suchten zuerst nach einem Ort, an welchem sie sich ressourciert fühlten und anschliessend nach einem Ort, an dem sie eine Herausforderung wahrnehmen konnten. Wir kamen dann im Kreis zusammen, um über das Erfahrende auszutauschen und zu reflektieren. Die Übung gab uns wichtige Hinweise auf mögliche Elemente der folgenden Aufstellung.

Nach der Pause starteten wir im leeren Raum in die eigentliche Aufstellung. Wir begannen mit den drei Elementen „gesellschaftliche Erwartungen“, „Das, was nicht sein darf“ und der „Weisheit“. Später kamen ein „guter Platz/Gefäss für die Erwartungen“, die „Verbindungskraft“, der „Winter“, ein „zweiter Teil der gesellschaftlichen Erwartungen“ und ganz zum Schluss die „Natur“ dazu. Manchmal hatte ich als Aufstellerin Impulse für weitere Elemente, manchmal kam der Impuls aus dem Kreis der Teilnehmenden.

Schon in der Vorübung hatten wir bemerkt, dass im Feld „Winter“, welcher auch als „weiblicher Aspekt der Weisheit“ interpretiert werden kann, viel im Verborgenen lag.
Der Winter zeigte sich in der Aufstellung in einer sehr intensiven und kraftvollen Art. Er half mit, die Essenz zum Vorschein zu bringen.
Die gesellschaftlichen Erwartungen verlangten viel Aufmerksamkeit und waren immer wieder im Kampf mit Dem, was nicht sein darf. Sie waren etwas sehr Vielschichtiges; etwas, das nicht nur gesehen, sondern auch gefühlt werden wollte.
Über eine lange Zeitdauer wiederholten sich gewisse Muster und es war kaum möglich, daraus auszubrechen. Die Weisheit konnte nicht wirklich helfen, sie war nicht verbunden und nicht in ihrer Kraft. Ihre Eingriffe wurden von anderen Elementen immer wieder als manipulativ empfunden.
Ganz zum Schluss lud ich zu einer letzten Bewegung in Stille ein und bekräftigte noch einmal die Intention „das weibliche Feld zu stärken“. Die Natur kam dazu und erst dann konnte sich ein kraftvoller Energiefluss zwischen allen Elementen entwickeln. Die Natur stellte die Verbindung zwischen oben und unten, zwischen Himmel und Erde, her und war ganz präsent in dieser vertikalen Kraft.

Schlussbild

Es bildete sich horizontal ein durchgehender, kraftvoller „Fluss“ von der Weisheit, zur Natur, zum Winter, zu Dem, was nicht sein darf, über die Verbindungskraft zu den gesellschaftlichen Erwartungen, die gestützt wurden vom guten Platz/Gefäss für die Erwartungen:

Skizze zum Schlussbild der Aufstellung „Das weibliche Feld stärken“

Unsere Erkenntnisse

Nach der Aufstellung kamen wir nochmals für das Sammeln der Erkenntnisse im Kreis zusammen. Hier eine Auswahl an Sätzen und Fragen, wie sie in die Runde eingebracht wurden:

  • Da ist eine Hartnäckigkeit im Kampf zu bleiben. Dort geht viel Kraft hinein.
  • Viele Missverständnisse waren im Raum und haben eine Transformation erschwert.
  • Es war sehr hilfreich, als die gesellschaftlichen Erwartungen von einem Mann und einer Frau gemeinsam verkörpert wurden.
  • Muster, die sich wiederholen, stehen auch für Jahrtausende alte Geschichten. Wie können wir aus der Opferhaltung herauskommen?
  • Es braucht die Verbindung zum „grossen Ganzen“, dann wird ein Miteinander möglich.
  • Die gute Verbindung zur Natur bringt Ruhe ins System.
  • Von innen heraus wissen und fühlen ist ganz anders, als vom Kopf her zu denken.
  • Der Winter war wichtig für die Transformation.
  • Die Erwartungen stehen auch für ein nicht gefühltes Gefühl. Sie wollen als Teil des Ganzen berücksichtigt werden.
  • Der gute Platz für die Erwartungen trug viel zur Transformation bei.
  • Sind weniger reden (Stille) und Natur wichtige Schlüssel für Veränderung? Wie können wir diese in unserer Kultur mehr berücksichtigen?
  • Kollektive Aufstellungen bringen uns in Kontakt mit wiederkehrenden Elementen: Natur, Macht, etc. Was können wir daraus lernen?
  • Ort/guter Platz (für die gesellschaftlichen Erwartungen) fühlte sich intensiv in der weiblichen Kraft: Gefäss sein, präsent sein.
  • Wenn abgespalten wird, wird das genährt, was nicht sein darf.
  • Die Weisheit hat erst ganz zum Schluss ihren Platz gefunden.
  • Energie konnte durchfliessen, da war viel Kraft und Verbindung.
  • Die Essenz darf sich ausbreiten. Weg vom Lärm, hin zur Intention.

Schlussfrage: Wo war die weibliche Kraft sichtbar?

Die weibliche Kraft zeigte sich stark im Schlussbild, in diesem „Energiefluss“, der alle Elemente miteinander verband.
Weiter war die Stellvertreterin, die für den guten Platz für die Erwartungen stand, ganz durchdrungen von dieser weiblichen Kraft. Es war sehr berührend, wie sie darüber sprach.
Auch die Position des Winters hatte eine beeindruckende Präsenz, ebenso wie die Natur, die in ihrer Selbstverständlichkeit zur Verbindung und zum Fliessen beigetragen hat.

Komplementär zur Stärkung des weiblichen Feldes sind wir gespannt, wie unsere kollektiven männlichen Qualitäten für den Wandel wirken können: Unsere nächste Aufstellung am 15. Juni 2018 ist dem Thema „Der neue Mann“ gewidmet.


Jeannine Brutschin hat 2017 gemeinsam mit Kim Jana Degen die Organisation momo&ronja gegründet. „Als soziale Unternehmerinnen engagieren wir uns für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Zudem können wir mit momo&ronja unsere Erfahrung einer tiefen Verbundenheit mit der Natur in ganz konkreten Angeboten und Projekten zum Ausdruck bringen.“

3 Gedanken zu “Aufstellungen für den Wandel: Das weibliche Feld stärken

  1. So eine schöne Zusammenfassung in dem Bild. Auch die textliche Ebene ist ehrlich treffend. Ganz herzlichen Dank für diese wunderbare Erfahrung.

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  2. „Die Erwartungen stehen auch für ein nicht gefühltes Gefühl.“ Dieser Satz gefällt mir ganz besonders! Ich glaube, Gefühle zu fühlen, ist ein wenn nicht DER wesentliche Schlüssel zu Heilung und Frieden. Oder kann sich jemand ernsthaft vorstellen, dass es möglich ist mit dem vollen Kontakt zu den eigenen Gefühlen Krieg zu führen.
    Danke sehr an Jeannine und alle Beteiligten für die wertvolle Arbeit!
    Ich freu mich, die nächste Aufstellung „der neue Mann“ mit zu begleiten. Florentin

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