Aufstellungen für den Wandel: Feuer und Erde sein

kjd Wir freuen uns über die Gelegenheit, zwei unserer Herzensanliegen zu verbinden: Mithilfe der systemischen Aufstellung wagen wir einen Blick auf unsere Beziehung zur Natur. Wir wollen dabei nicht nur uns als Individuum betrachten, sondern insbesondere den Umgang von uns als Gesellschaft mit der Natur beleuchten. Als Ansatzpunkt dienen uns dafür die Elemente. Gestartet haben wir mit einem Aufstellungsnachmittag zum Thema „Feuer und Erde sein“.

Wir sind mittlerweilen sehr zufrieden mit der von uns entwickelten Struktur der „Aufstellungen für den Wandel“. Natürlich probieren wir in diesem Gefäss immer noch Neues aus, aber der Ablauf, wie er jetzt steht, hat sich bewährt und wir können uns nun umso tiefer auf die Inhalte einlassen. Die Aufstellung ist das Kernstück des Nachmittags, wir beginnen aber jeweils nach dem Einstieg mit einer Einstimmung ins Thema.

Als ich diese Einstimmung bei „Feuer und Erde sein“ wiederum als „Vorübung“ ankündigte, merkten Jeannine und ich sofort, dass wir diesen Teil ab jetzt anders nennen werden. Denn bei der Einstimmung kommen wir nicht nur im Aufstellungsraum und bei uns selbst an, sondern wir tauchen bereits richtig tief in das Thema ein. Während wir uns bei der Aufstellung in den Dienst des Kollektiven stellen, bietet die Einstimmung meistens die Gelegenheit, das Thema als Individuum zu erleben. Diese  ersten persönlichen Erfahrungen dienen uns als Startpunkt für die Aufstellung mit der Ausrichtung auf das Kollektive.

Dieses Mal haben wir in der Einstimmung mithilfe des Medizinrades zuerst unterschiedliche Qualitäten des Feuers und dann verschiedene Aspekte der Erde erlebt. Wir haben uns durch das Rad bewegt, welches sehr einfach als vier Quadranten am Boden markiert war, beschriftet jeweils mit einer Himmelsrichtung. Jeannine hat zuvor zu jedem der vier Felder noch ein paar Stichworte ergänzt wie beispielsweise die dazugehörige Jahres- oder Tageszeit. Ihre Beschreibung war dabei absichtlich knapp gehalten. So wurde das Kognitive nicht zu sehr angeregt, sich bereits Überlegungen darüber zu machen, was sich uns im jeweiligen Feld zum Feuer und der Erde zeigen könnte.

„Ja und da haben alle etwas gespürt??“ wurde ich nach der Aufstellung von einer Person gefragt, die nicht dabei war. Ja, da haben alle etwas gespürt. Dabei gibt es kein Richtig und Falsch. Während jemand beim Durchlaufen der Felder bildliche Assoziationen hat, erinnert sich eine andere Person dabei an bestimmte Begegnungen in ihrem Leben. Eine dritte kann Temperaturunterschiede wahrnehmen, eine vierte Person taucht in Gefühle ein, sieht Farben oder fühlt etwas anderes. Auch „Ich spüre nichts.“ kann ein wertvoller Hinweis sein. Wieder einmal gilt: Probieren geht über studieren, Neugierde und ein wenig Offenheit für Überraschungen sind schon sehr gute Voraussetzungen.

Ich teile gerne ein paar meiner Eindrücken als Beispiel, wie sich das anfühlen kann. Vielleicht kann ich damit auch ein paar Vorurteile und Ängste aufweichen oder gar die Lust zum Selbsterfahren wecken?

Bei den Qualitäten des Feuers habe ich im Osten begonnen. Dort hatte ich das innere Bild eines ausstrahlenden hellgelb-weissen Lichts. Es hatte eine grosse Ausdehnung mit feinen Strahlen und war eher kühl. Im Feld des Südens nahm ich ein Lagerfeuer wahr; auf kahlem Waldboden ohne Steine als Begrenzung. Es war nicht zu klein, nicht zu gross, gerade richtig und angenehm wärmend. Ich hatte Lust mich hinzusetzen, fühlte mich gut verwurzelt und gleichzeitig frei. Als ich in den Westen trat, wollte ich gleich in Bewegung bleiben, ich lief das ganze Feld mit schlängelnden Bewegungen ab. Vor meinem inneren Auge zeigte sich ein Lavastrom, der leuchtend orange aus der abkaltenden schwarzen Masse glühte. Er bewegte sich langsam aber stetig und unaufhaltsam. Ich fühlte mich in diesem Feld sehr wohl. Ganz anders dann im Norden: Dort war ich wie festgewurzelt, das Feuer zeigte sich mir als schmale aufrecht brennende Kerze, sie fühlte sich sehr distanziert an. Als ich schlussendlich in die Mitte stand, wurde mir fast etwas schwindelig.

Bei der Erde lief ich dann in der anderen Richtung durch das Rad. Im Westen bin ich länger verweilt, weil sich dort immer wieder neue Formen der (nassen) Erde zeigten. Ein Erdrutsch, dann mit Moos bewachsener Waldboden und schliesslich ein Moor. Ich hatte das Gefühl, wenn ich meine Hand in die Erde drücke, bleibt ein Abdruck davon. Im Süden fühlte ich mich dann in der Wüste, es war trocken-heiss, was ich sehr mag. Die Erde rieselte feinkörnig durch meine Hand. Ich konnte auch Staubwolken und Gesteine sehen. Im Osten hätte ich am liebsten gleich Setzlinge in die fruchtbare Gartenerde gepflanzt. In diesem Feld war sie etwas feucht, gerade richtig und fühlte sich wunderbar an beim Wühlen. Im Norden hatte ich dann das innere Bild eines gefrorenen Ackers. Dort schien die Zeit stillzustehen. Als ich in die Mitte trat, überkam mich zuerst eine grosse Ehrfurcht und dann fühlte ich mich, als würde ich nach Hause kommen.

Ich habe oft innere Bilder, dass ich dieses Mal aber sehr genau die Intensität, Richtung, Ausdehnung, Farbe und Temperatur des Feuers wahrnehmen konnte, war für mich ein schönes Erlebnis. Eine besondere Überraschung war der sehr reelle Eindruck, die Erde in ihren Facetten mit meinen Händen zu berühren. Was mir auch gefallen hat, sind gewisse Parallelen im Erlebnis von Feuer und Erde im Rad.

Alle Teilnehmenden haben ihre ganz individuelle Reise durch die vier Felder gemacht und doch gab es einige Verbindungen. Der Austausch darüber ist immer sehr anregend und zudem wegweisend für die Wahl der Stellvertretungselemente der Aufstellung. Die Verknüpfung unserer persönlichen Erlebnisse wird so zum Tor ins Kollektive.


Rund

Kim Jana Degen hat 2017 gemeinsam mit Jeannine Brutschin die Organisation momo&ronja gegründet. „Als soziale Unternehmerinnen engagieren wir uns für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Zudem können wir mit momo&ronja unsere Erfahrung einer tiefen Verbundenheit mit der Natur in ganz konkreten Angeboten und Projekten zum Ausdruck bringen.“

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