Aufstellungen für den Wandel: Wie alles begann

jb Ich kann mich noch gut an meine erste Rolle in einer systemischen Aufstellung erinnern: 2001 habe ich mich bei einem Workshop angemeldet, um meine Herkunftsfamilie aufzustellen, damals noch sehr klassisch. Bei meinem ersten Einsatz wurde ich von einer teilnehmenden Person als Stellvertreterin für einen Alkoholiker gewählt. Kaum hatte ich den entsprechenden Platz eingenommen, wurde mir so sehr schwindlig, dass ich kaum noch stehen konnte. Es hat mich fasziniert, wie das möglich war, wie diese Beziehungen in einem System, einfach so von fremden Personen wahrgenommen und erfahren werden konnten.

Seither hat mich die Aufstellungsarbeit nicht mehr losgelassen.

Ich habe einiges ausprobiert, für mich selbst Aufstellungen gemacht und einzelne Weiterbildungsworkshops besucht. Lange Zeit fand ich aber nicht den passenden Ort für mich und habe die Idee einer Weiterbildung aus diesem Grund aufgegeben. Erst als ich 2009 zufällig von nature&healing hörte und die Aufstellungsarbeit von Astrid Habiba Kreszmeier kennenlernte, wurde ich fündig. Ein gutes Indiz, um herauszufinden, ob es „passt“ sind für mich immer auch die interessierten Menschen. Hier fühlte ich mich durch den starken Naturbezug in der Ausbildung und Gruppe wohl und zugehörig. Der ressourcenorientierte Ansatz und die Wichtigkeit des sicheren Rahmens haben mir sehr entsprochen.

Auch für meine persönliche Entwicklung empfand ich die Aufstellungsarbeit als sehr hilfreich. Es war eine Möglichkeit, direkt über die Körperwahrnehmung den Ursachen und „Verwicklungen“ im eigenen Leben auf den Grund zu gehen. Ich hatte das Bedürfnis nach echter, tiefgreifender Veränderung: das, was sowieso da ist und im Verborgenen wirkt und oft nicht wahrgenommen wird, sichtbar und greifbar zu machen. In meiner Erfahrung ist dieses wirkliche Hinschauen oft der erste Schritt in einem Transformations- und Heilungsprozess. Dieses Hinschauen auf die verborgenen Wirkungen und Wirrungen wird auch als Schattenarbeit bezeichnet.

Nach meiner Ausbildung habe ich schnell begonnen in kleinen Gruppen von Freunden und Bekannten Aufstellungen selbst anzuleiten, danach auch auszuschreiben. Wie sonst sollte ich mir die nötige Erfahrung aneignen? Und auch die Frage nach „dem eigenen Stern“ hat mich begleitet: Wie will sich die Aufstellungsarbeit durch mich ausdrücken? Was sind meine Stärken, mein Stil? Ich konnte darauf vertrauen, dass die Themen, die mir in den Aufstellungen begegneten, meiner Kapazität entsprachen.

Es war kein einfacher Weg. Vor allem brauchte es viel Durchhaltevermögen. Kann ich mit diesem Angebot genügend Leute ansprechen? Um gut arbeiten zu können, braucht es jedes Mal eine ganze Gruppe von Menschen. Einige Male hatte ich den „Verleider“ und habe doch immer weitergemacht. Bei der Gründung von momo&ronja habe ich mir gemeinsam mit Kim Jana diese Frage wieder gestellt: Soll die Aufstellungsarbeit Teil unseres Angebotes sein? Und wieder war die Antwort: Ja. Ich bringe die nötigen Voraussetzungen mit für diese feine Wahrnehmungsarbeit. Ich habe selber viele Prozesse durchlebt. Und es tut mir gut und macht mir Freude, Aufstellungsarbeit anzuleiten. Mit der damit verbundenen Verantwortung kann ich umgehen. Auch von aussen bekam ich genügend Bestätigung und Unterstützung, um weiter dran zu bleiben. Weiterbildungen bei Guni Leila Baxa, an deren Klarheit und Wahrnehmungsfähigkeit als Aufstellungsleiterin ich mich gerne orientiere, motivierten mich zusätzlich und ich gewann weitere wertvolle Einsichten.

Was für ein Geschenk, wenn ich Prozesse begleiten darf, bei denen echte Wandlung stattfindet und eine friedvoll herzberührende Energie sich im Raum auszubreiten beginnt. In den Momenten weiss ich, dass es jede Mühe wert war.

Bei momo&ronja nutzen wir eine Form von Aufstellungsarbeit auch für ganz konkrete Fragestellungen, beispielsweise das Priorisieren der Schwerpunkte für 2019.

So bin ich jetzt, nach 10 Jahren, in meinem Ausdruck der Aufstellungsarbeit angekommen. Der Name dafür: Aufstellungen für den Wandel. Tragendes Gefäss ist ein Format, das wir für momo&ronja selber entwickelt und mit der Hilfe einer Pilotgruppe konsolidiert haben. Kollektive Themen, d.h. Themen, die uns alle angehen und die für eine Veränderung in Richtung einer zukunftsfähigen Gesellschaft wichtig sind, machen wir mithilfe der Aufstellungsarbeit auf einer tiefen Ebene zugänglich und veränderbar.

Die bisherigen Themen der Aufstellungen für den Wandel:

2017 – Pilotphase

  • Kooperationen für den Wandel, Geldfluss für das Neue
  • Frieden, Teil 1; Kollektiv Weiblich, Kollektiv Männlich; Qualitäten Hingabe und Tatkraft
  • Frieden, Teil 2
  • Fruchtbares Zusammenwirken der Generationen

2018 – Themen erkunden

  • Das weibliche Feld stärken
  • Der neue Mann
  • Unsere Beziehung zur Natur Teil 1: Feuer und Erde sein
  • Unsere Beziehung zur Natur Teil 2: von Wasser und Luft durchströmt

2019 – Aktuelle Veranstaltungen

Das Persönliche und das Kollektive stehen in engem Zusammenhang. Wir können das Kollektiv nur verändern, wenn wir auch uns selbst verändern. So biete ich ebenfalls ein Gefäss für persönliche Themen und Anliegen an. Hier kann ich bei Bedarf zusätzlich Schamanentrommel und Stimme begleitend einsetzen. Aber mehr darüber in einem folgenden Blogartikel…

Ab 2019 möchten wir auch Menschen einen Zugang anbieten, die die Aufstellungsarbeit noch nicht gut kennen. Ein Einführungsabend mit einfachen Übungen und der Möglichkeit Fragen zu stellen, bietet dazu Gelegenheit. Dankbar für die Unterstützung durch Kim Jana, Danica Preis, Suzanne Käser und viele andere Menschen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben, bin ich bereit für die nächsten Schritte. Oder wie das Titelfoto zeigt: Die Samen liegen bereit, der Wind trägt sie in die Welt hinaus.


Jeannine Brutschin hat 2017 gemeinsam mit Kim Jana Degen die Organisation momo&ronja gegründet. „Als soziale Unternehmerinnen engagieren wir uns für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Zudem können wir mit momo&ronja unsere Erfahrung einer tiefen Verbundenheit mit der Natur in ganz konkreten Angeboten und Projekten zum Ausdruck bringen.“

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