Aufstellung für den Wandel: Neues Miteinander von Frau*Mann

jb. Die zweite Aufstellung im 2019 zum Thema Gender stand unter dem Motto „auf zum nächsten Level“ im Miteinander von Frau*Mann. Wir verstehen dabei das Thema als Zusammenspiel weiblicher und männlicher Energien, die nicht unbedingt auf die klassischen Rollen verteilt sein müssen.

Bei der ersten Frau*Mann-Aufstellung im März 2019 war das Wertvolle an gemeinsamen Erlebnissen und die Bedeutung von Rücksicht, die in der Aufstellung vor allem auf der weiblichen Seite „Verleugnung der eigenen Bedürfnisse“ bedeutete, sehr zentral. Nachdem die Rücksicht auf ihren guten Platz verwiesen wurde, konnten sich das Weibliche und das Männliche verbinden, in der Mitte vor sich die verbindenden Erlebnissen als gemeinsames Drittes – ein kraftvolles Schlussbild. Die zweite Aufstellung im Mai 2019 brachte ganz andere Zusammenhänge zum Vorschein.

Dieses Mal waren wir eine reine Frauengruppe. Wir bewegten uns in der Vorübung durch die vier Quadranten des Medizinrades, um hineinzuspüren, wo jede Einzelne in Bezug zu unserem Thema gerade stand. Bei einem zweiten Durchgang fragte ich nach den Schlüsselpositionen, von wo aus Bewegung, Veränderung möglich war. In einer Runde teilten wir unsere Wahrnehmungen. Diese dienten als Ausgangspunkt für die zu definierenden Elemente unserer Aufstellung. Bei den Aufstellungen für den Wandel wird das übergeordnete Thema aus den persönlichen Wahrnehmungen abgeleitet. So ist ist der Zusammenhang persönlich – kollektiv optimal passend und die Aufstellung kann das grösstmögliche Veränderungspotenzial der Gruppe sichtbar machen.

Kim Jana und ich beraten uns jeweils in der Pause und wählen nach bestem Gewissen die Elemente für die Aufstellung aus. Die Zufallsverteilung der Rollen und wie die Rollen zur „richtigen“ Person finden, ist immer wieder ein faszinierender Moment. Jede Person kann dadurch auch für sich persönlich viel mitnehmen. Bei dieser Aufstellung war es recht einfach, da einzelne Begriffe im Austausch mehrfach erwähnt worden waren oder auf andere Weise „herausragten“.

Wir starteten mit der Aufstellung, indem die Teilnehmenden blind eine Nummer für eine Rolle wählten. So müssen sie sich ganz auf ihre Wahrnehmung verlassen und die eigenen Vorstellungen lenken nicht davon ab. Die gewählten Elemente dieses Mal waren: Ausrichtung, Herz, Ausdruck, Dominanz und Blockade. Auf der Suche nach lösungsbringenden Bewegungen, drehte sich die Dominanz von den anderen Elementen weg. In diesem Moment konnte sich die Ausrichtung aus einem Wirrwarr an Gefühlen und Unklarheit befreien und eine wegweisende Position einnehmen. Nach vielen weiteren kleinen Bewegungen und Dialogen stellte sich folgendes Schlussbild ein: Die gemeinsame Ausrichtung, die ein untrügliches Gespür dafür hatte, wo der Weg durchging, führte die Gruppe an.

Die Blockade wandelte sich und übernahm die Feinabstimmung und Justierung, welche sehr wichtig war: Die Abstände und Positionen der einzelnen Elemente wollten genau aufeinander abgestimmt sein. Die Blockade wurde zu einer Übersicht bringenden/ordnenden/ausgleichenden Kraft. Die Dominanz fand ihr richtiges Mass und war am Schluss weder dominant noch unterwürfig, sondern zeigte Führerschaft/Leadership-Qualitäten – spannend, dass die Wortbedeutung von Dominanz auch genau diese Begriffe beinhaltet! Die Elemente Herz, Ausdruck und Dominanz waren ein eingespieltes Team. Das Schlussbild war kein Standbild, sondern der Impuls war, sich alle zusammen in Bewegung zu setzen und mit viel Energie in die Richtung des gemeinsamen Weges loszugehen. Und – man darf es fast nicht sagen – es stellte sich so gar etwas wie Harmonie im Raum ein.

Was diese Erfahrung für das neue Miteinander von Frau*Mann ganz praktisch bedeuten könnte, das ergründeten wir in der abschliessenden Gesprächsrunde. Für mich persönlich war es ein sehr energiegeladenes, mutmachendes Schlussbild und Ausgangspunkt für kraftvolles Handeln in Harmonie mit den weiblichen und männlichen Qualitäten.

Photo by Tyler Hendy on Unsplash


Jeannine Brutschin hat 2017 gemeinsam mit Kim Jana Degen die Organisation momo&ronja gegründet. „Als soziale Unternehmerinnen engagieren wir uns für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Zudem können wir mit momo&ronja unsere Erfahrung einer tiefen Verbundenheit mit der Natur in ganz konkreten Angeboten und Projekten zum Ausdruck bringen.“

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