Aufstellung für den Wandel: Wirkung unseres Engagements für das Klima

Florentin Abächerli. Die Entscheidung steht genau in der Mitte des Spannungsfeldes von Wissen und Handeln, sowie Stabilität und Wandel. Die Unternehmer_innen bewegen sich in die Nähe der Stabilität und des Wissens. Die Stimmbürger_innen bewegen sich in Richtung Handeln und Wandel, wo bereits die Konsument_innen stehen. Die Aktivist_innen kommen zusammen mit den Enkelkindern beim Handeln an.

Was wie ein Orakelspruch klingen mag, sind ein paar markante Bewegungen der Elemente der «Aufstellung für den Wandel» vom 7. Dez. 2019. Wie lässt sich das Orakel lesen und was zeigte das System noch? Das erfährst du in diesem Blog.

Ausgangslage

Eine beträchtliche Gruppe interessierter und engagierter Männer und Frauen trafen sich für diese «Aufstellung für den Wandel» mit folgender Intention: «Wirkung des vorhandenen Engagements bestärken für die grösste gesunde Wirkung bezogen auf den Raum Schweiz als Teil des Globus»

AfW20191211-TN

Einstieg

Die Einstiegsrunde zeigte eine wunderbare Vielfalt der Teilnehmenden von privat Engagierten bis zu politisch und geschäftlich Aktiven und das alles auch in Kombination. Unter anderem war eine Aussage prägend für die später ausgewählten Spannungsfelder: «Wir wissen es, aber wir handeln nicht.». 

Die Aufstellung

Für die Aufstellung haben wir die Elemente Wissen (4) und Handeln (3), sowie Wandel (2) und Stabilität (1) als «unbewegliche» Elemente im Raum gegenübergestellt und damit ein Spannungsfeld für die «normalen» Elemente vorgegeben.

Wir haben doppelt verdeckt gearbeitet, was bedeutet, dass die Repräsentant_innen nicht wussten, welches Element sie repräsentieren und auch nicht, welche Elemente überhaupt aufgestellt wurden.

Nacheinander wurden dann die folgenden Elemente in die Rolle gebracht und frei in den Raum gehen gelassen:

A: Stimmbürger_innen
B: Enkelkinder
C: Ahnen
D: Zentrumskraft
E: Gemeinschaft
F: Konsument_innen
G: Unternehmer_innen
H: Brücke
I: Entscheidung
K: Aktivist_innen

Es ergab sich das erste Bild:

Bild1

Markante initiale Aussagen

Die Entscheidung hat sich direkt ins Zentrum der Spannungsfelder gestellt. Sie nimmt den Brustraum als Resonanzraum wahr.

Der Wandel benennt die Bezogenheit der Zentrumskraft, der Enkelkinder und der Konsument_innen als Fanclub.

Die Unternehmerinnen gehen zur Brücke

Vor der Bewegung:
Stimmbürger_innen: «Dass die Unternehmer_innen da (zwischen Entscheidung und Stimmbürger_innen) stehen, schwächt die Verbindung zur Entscheidung ab, aber auf positive Art.» 

Unternehmer_innen: «Ich fühle mich am Ausgangsort zwischen Entscheidung und Stimmbürger_innen gross, könnte weiter, aber da steht die Brücke im Weg. Ich würde knapp neben der Brücke durch gehen. Ich nehme sonst gar nichts wahr.»

Brücke: «Ich möchte schnellen und konfrontativen Austausch»

Auf Einladung hin zögern die Unternehmer_innen zunächst mit der Bewegung und entscheiden sich dann doch, direkt auf die Brücke zu zu gehen. So kommen diese mit der Brücke in Verbindung – würdige Umarmung von Unternehmer_innen  und Brücke. Die Brücke sagt: «Ich habe mit der Konfrontation mein Ziel erreicht. Die Unternehmer_innen  haben etwas Preis gegeben, nämlich ihre Bereitschaft, etwas zu machen, aber wir Wissen noch nicht was.» Damit ist die die Brücke ist jetzt für neue Pläne offen.

Für die Unternehmer_innen war die Bewegung emotional gut. Sie möchten nicht mehr weg. Es war wichtig für die Unternehmer_innen, auf DAS zu zu gehen.

Die Stimmbürger_innen hätten die Unternehmer_innen gerne festgehalten, damit sie nicht gehen. Im Nachhinein ist aber der neue Zustand doch besser als der vorher. Das Wissen sagt, dass diese Bewegung auf «emotionales Wissen» hindeutet, «neues Wissen- neue Erfahrung – anderes Wissen».

Die Entscheidung wird etwas beweglicher.

Die Aktivist_innen gehen zum Handeln

Die Aktivistinnen: «Ein Teil im Boden gut verankert, der andere Teil ist ziemlich in der Luft. Die Grundenergie ist Empörung.» Spürt auch später Wut, Zorn, Ungeduld und würde am liebsten losbrüllen. Kommen sich vor, wie wenn sie Greta wären. Sie haben «vor lauter Empörung fast keine Gefühle mehr». «…dass das Wissen vorhanden ist und man einfach nicht handelt.»

Die Aktivist_innen drehen sich zum Wissen hin und sagen: «Das Wissen muss noch mehr raus.» Das Wissen: «Ich bin da – ich stehe – zur Verfügung.»

Aktivist_innen stehen im Widerstand. «Auf das Wissen kann ich nicht zählen». Machen eine suchende Bewegung und kommt nahe beim Handeln zu stehen. Stellt sich nach der Wahrnehmung einer guten Verbindung neben das Handeln.

Weitere Bewegungen und Statements

Die Zentrumskraft bewegt sich einmal auf die Linie von Wandel und Handeln, dann aber wieder zurück. In diesem Zusammenhang irritiert vom leeren Platz zwischen sich und dem Wissen äussert der Wandel: «Der Wandel braucht auch die Stabilität, wenn der Kontakt zum Wissen bröckelt)»

Die Gemeinschaft findet während der ganzen Aufstellung nicht EINEN klaren Platz.

Die abschliessenden Bewegungen weiterer Elemente

Die Enkelkinder bewegen sich zum Handeln. Die Stimmbürger_innen gehen auf die Linie Wandel und Handeln. Die Ahnen bewegen sich zur Stabilität und fordern gleichzeitig Bewegung, Spiel, das Leben der inneren Natur!

Bild2

Reflexion, Erkenntnisse, Hypothesen

Das Bild bestätigt offenbar, dass die Entscheidung mitten im aufgespannten Spannungsfeld steht.

Es scheint, dass das Wissen zwar verfügbar ist. Das bedeutet, dass die Informationen an sich bei den Akteuren vorhanden sind. Das Bild sagt: Es gibt das alte Wissen, Erfahrungswissen, das aktuelle Wissen, das Wissen, das noch nicht da ist. Es ist auch die emotionale Verknüpfung von Wissenangesprochen. Möglicherweise ist das Wissenbei den Menschen doch nicht genügend tief gesunken. Es könnte also ein wichtiger Hebel darin liegen, das Wissenstärker fühlbar zu machen. Wie das unterstützt werden kann, wäre weiter zu erforschen.

Man könnte interpretieren, dass es den Stimmbürger_innenrecht ist/war, wenn die Unternehmer_innenihnen «sagen» was sie stimmen sollen. Es dämpft möglicherweise das Verantwortungsgefühl. 

Es zeigt sich, dass es für das System «besser» ist, wenn sich die Unternehmer_innen auf die Brücke zubewegen (in die Nähe der Stabilität) und sich damit von der Position (Beeinflussung) der Stimmbürgerinnen bei der Entscheidung entfernen. Die Bewegung könnte bedeuten, dass die Unternehmer_innen in ihrer Funktion als Stabilitätsbringer auch emotional gewürdigt werden sollen und sich so gleichzeitig die Stimmbürger_innen auch freier entscheiden. Mögliche Schlussfolgerung könnte sein: Die Stimmbürger_innen müssen sich vom Einfluss der Unternehmer_innen verabschieden. Sie bringen zusammen mit den Konsument_innen den Wandel. Die Unternehmer_innen sichern Stabilität und orientieren sich am Wandel, der bereits da oder klar absehbar ist. Man stelle sich mal vor, die Unternehmer_innen (die Oekonomie) stellt ihre Funktion auch nur für kurze Zeit komplett ein. Wikipedia beschreibt ja genau im Begriff Oekonomie den Zweck der Befriedigung der Bedürfnisse. Diese Leistung darf und soll wohl gewürdigt sein.

Dies wird durch die Aussage des Wandels gestützt: «Der Wandel braucht auch die Stabilität (wenn der Kontakt zum Wissen bröckelt)»

Die Aktivist_innen bringen zunächst eine brachiale Wut, ein MUSS der Veränderung. Alles andere blenden sie aus. Das ist bestimmt ein grosses Potential mit entsprechenden Ausbruchgefahren, die zu beachten sind.

Die Enkelkinder interessieren sich nicht für den alten Bogen (Stabilität, Unternehmer_innen, Brücke, Wissen). Sie fühlen sich wohl nahe beim Handeln und bei den Aktivist_innen. Sie möchten auch gerne Einfluss auf die Stimmbürger_innen nehmen.

Im Bild sind die Konsument_innen nahe beim Wandel, eigentlich erstaunlich weit weg vom Wissen. Ob sie gerne den Wandel möchten, und ihnen doch die Verbindung zum Wissen fehlt, um tatsächlich zu Handeln?

Und wo war die Natur?

Wir haben die Erde/Natur nicht als Element in die Aufstellung genommen. Auch die Dynamik in der Aufstellung selbst hat das Element nicht «angezogen». Obwohl ein Bild des Globus im Raum sich sogar angeboten hätte, wurde kein Element darauf aufmerksam.

Die Aufstellung selbst hat nach unserem Bild stark die aktuelle Situation in der Schweiz abgebildet, was ja auch die Intention war. Fazit einer Teilnehmerin war: «In der Schweiz funktioniert es so (undynamisch)» in einem anderen Land wäre dies ganz anders. Wir hätten uns vielleicht mehr Dynamik gewünscht. 

Die Hypothese ist nun, dass das Integrieren der Erde/Natur ein wichtiges Element ist/wäre, um die Emotionen anzusprechen und das Wissen fühlbar zu machen, was eine Ressource für die Entscheidung wäre. Darauf könnte auch der frühe Hinweis der Entscheidung auf den Brustraum hinweisen. Und bestätigt wird diese Sicht auch durch die erste Aufstellung mit dem Thema Klimawandel am 26. Oktober 2019. Dort zeigte sich die freudvolle Verbindung des «verantwortungsvollen Handelns» mit der Natur als wesentliche Ressource. Siehe dazu diesen Blogbeitrag. Man könnte sagen: «Wir wissen es, ertragen es aber kaum es zu fühlen, wenn wir uns nicht gleichzeitig im Stande fühlen, etwas dafür zu tun.»


logo_florentini_farbigFlorentin Abächerli hat diese Aufstellung für den Wandel wesentlich mitgeprägt. Er verbindet leidenschaftlich die Möglichkeit neuer Perspektiven aus der Aufstellungsarbeit mit seinem Engagement für den Schutz unserer Lebensgrundlage. Im Rahmen seiner Firma florentini ist er tätig in der Beratung, als Coach und als Erwachsenenbildner unter anderem in Leadership.

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