im Durchschnitt schwimmen

kjd. Es ist 08:15 Uhr morgens. Ich kann kaum glauben, dass ich schon wieder diese Ziffern auf dem Display lese. Es muss das fünfzehnte Mal in den letzten zwei Monaten sein. Ich habe gehört, dass ich mich über Zahlenkombinationen wie 11:11 freuen soll. Sie seien ein ermutigendes Zeichen des Lebens: Alles ist gut, weiter so! Und bei mir zeigt sich also 08:15. Exzessiv. Ich frage mich, ob das ein schlechter Scherz des Universums und/oder meines Unterbewusstseins sein soll.

Ausgerechnet 08:15 – Jedes Charakters beraubt. Langweilige Stangenware. Das Standardmodell. Die hervorgerufenen Assoziationen lassen meine Gedanken fluchtartig weiterziehen. Ich möchte mich nicht mit dieser Symbolik befassen, sie berührt mich unangenehm.

Als mir das Zeichen dann doch einmal zu viel erscheint, beschliesse ich, mich auf seine Botschaft einzulassen.

Ganz offenbar schreibe ich diesem 08:15 eine Bedeutung zu. In mir regt sich der Verdacht, dass mein akut spürbarer Widerstand mit einem grossen Schild auf einen verdrängten inneren Aspekt zeigt. Wäre es möglich, dass da in mir ein Anteil wohnt, der einfach mal „ganz normal“ sein will? Vielleicht sogar langweilig. Der die Sehnsucht trägt, mit dem Durchschnitt zu schwimmen und nicht aus der Reihe zu tanzen. Ein Teil von mir, der die ganze Anstrengung für ausserordentliche Leistungen in allen Lebensbereichen satt hat.

Als ich diese Gedanken zulasse, spüre ich einen stechenden Schmerz in meiner Brust. Das gibt mir Gewissheit: Ich habe diese Facette meiner Persönlichkeit in eine dunkle Ecke weit hinten geschoben. Ich fühle die innere Spaltung körperlich, Spannung kommt auf. Es schalten sich protestierende Anteile ein, die nach Exzellenz und Perfektion streben und mich ungern von Kurs abdriften sehen. Aber das Mitgefühl in mir ist geweckt und es liegt mir etwas daran, diesem Aspekt auf den Grund zu spüren.

Ich frage mich, wie sich mein Alltag verändern könnte, wenn ich in Verbindung gehen würde mit dieser „ganz gewöhnlichen Seite“ von mir, die nicht von hohen Zielen angetrieben wird, sondern mit einem einfachen Leben zufrieden ist. Welches Geschenk hält sie für mich bereit? Ich vermute, dass sie Entspannung und Entschleunigung in mein Leben bringen könnte. Qualitäten, nach denen ich mich sehne. Ich beschliesse, nicht nur darüber nachzudenken, sondern ganz konkret in Kontakt zu treten.

Cover Photo by Clay Banks on Unsplash


Kim Jana Degen hat 2017 gemeinsam mit Jeannine Brutschin momo&ronja gegründet. „Wir begleiten Menschen auf dem Herzensweg. Mit momo&ronja legen wir Wert auf das Zusammenspiel von innerem und äusserem Wandel. Unsere tiefe Verbundenheit mit der Natur findet Ausdruck in konkreten Angeboten und Projekten.“

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